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Open Access Individualpsychologie, Reformpädagogik und Sozialkritik – Impulse für eine emanzipatorische Bildungstheorie aus dem Spektrum der tiefenpsychologisch fundierten Reformpädagogik

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Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich die erziehungswissenschaftliche Sozial- und Ideengeschichte in der BRD über Dekaden auf eine von führenden Vertretern der geisteswissenschaftlichen Pädagogik auf Dauer gestellte Auslese reformpädagogischer Ideen und ,Klassiker‘ gestützt: In direktem oder unterschwelligem Anschluss an die von Herman Nohl erstmalig im Jahre 1933 vollzogene ,,Stilisierung und Epochalisierung der ,Reformpädagogischen Bewegung‘“ (von Prondczynsky 1996, S. 75) wurde – z.T. bis in die Gegenwart hinein – nur allzu oft die von ihm und seinen Schülern (Erich Weniger, Wilhelm Flitner Wolfgang Scheibe etc.) vorangetriebene ,Kanonbildung‘ im Großen und Ganzen bestätigt. Der richtungsweisende Einfluss der mit jenem Kanonisierungsprozess gesetzten Exklusion von politisch-pädagogischen Traditionssträngen, welche dem kulturphilosophischen Programm der geisteswissenschaftlichen Schule fremd gegenüberstehen, ist indessen häufig noch dort zu konstatieren, wo mit der pädagogischen Reformbewegung als solcher ins Gericht gegangen wird. So liegt die Vermutung alles andere als fern, dass die bei vielen Kritikern anzutreffende Identifizierung ,der‘ Reformpädagogik mit Strömungen, die sich durch gegenaufklärerische, biologistische und antidemokratische Elemente auszeichnen, (noch immer) in nicht geringem Maße Nohls Ineinanderführung eines abgesteckten Arsenals von reformpädagogischen Modellen mit dem nationalistischen Konstrukt der ,Deutschen Bewegung‘ sowie mit lebensphilosophischen Entwürfen einer demokratiefeindlichen Kulturkritik um 1900 geschuldet ist (vgl. Nohl 1935). Weitgehend ausgeklammert aus der dominanten Historiografie der Erziehung wurden bzw. werden dagegen Modelle aus dem libertären, freiheitlichdemokratischen und/oder sozialistischen Spektrum, die den historischen Diskurs um Fragen der Erziehung und Bildung in der Reformpädagogik wesentlich mitbestimmt haben. Diese Marginalisierung von aufklärerischen und sozialkritischen Konzepten erstreckt sich mithin ebenso auf die beträchtliche Anzahl von tiefenpsychologisch inspirierten Ansätzen , die in jenen Feldern verortet sind.
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Document Type: Research Article

Publication date: January 1, 2009

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  • Das Jahrbuch für Pädagogik macht es sich seit 1992 zur Aufgabe, Diskurs- und Realentwicklungen in Pädagogik und Bildungspolitik kritisch zu begleiten und aus bildungs- und gesellschaftstheoretisch interessierter Perspektive zu beleuchten. Als bildungstheoretische Leitidee gilt ein Konzept von Mündigkeit, welches historisch und theoretisch im internen Zusammenhang von Aufklärung, Demokratie und Bildung gründet. Pädagogik wird als ein spezifisches theoretisches und praktisches Handlungsfeld von Gesellschaft begriffen. Nach dem Verständnis des Jahrbuchs können daher Fragen von Bildung und Erziehung nicht allein aus der disziplinären Perspektive der Erziehungswissenschaft bearbeitet werden, sondern bedürfen interdisziplinärer gesellschafts- und humanwissenschaftlicher Zugänge. Der interdisziplinäre Horizont und die Verknüpfung von bildungs- und gesellschaftstheoretischen Sichtweisen schlagen sich sowohl in der Wahl der Jahresthemen wie der Autorinnen und Autoren nieder. Einen markanten Zug im Profil des Jahrbuchs bildet die zentrale Bedeutung des Jahresthemas, auf welches sich nahezu alle Beiträge beziehen, so dass jeder Band als jährliches Periodikum zugleich ein Aufsatzband zu einer thematischen Fragestellung ist.
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