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Open Access Funktionaler Analphabetismus im wissensgesellschaftlichen Wandel – zur Individualisierung struktureller Problematiken der Chancenverteilung

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In nahezu allen aktuellen erziehungswissenschaftlichen Diagnosen und Untersuchungen gibt es ein kaum wahrgenommenes Spannungsfeld zwischen der Betonung massiven gesellschaftlichen Wandels auf der einen und den Nachweisen kontinuierlich herkunftsabhängiger Bildungserfolge auf der anderen Seite. Dabei bleibt in denjenigen Studien, die sich auf die Nachzeichnung von Wandel verlegen, die Analyse von Formen und Prozessen sozialer Ungleichheit in der Regel stark unterbelichtet. Im Fokus stehen hier vielmehr radikale Wandlungstendenzen, die beispielsweise die Einführung moderner Informations- und Kommunikationstechnologie initiiert und veränderte Formen individueller Lernformen und -konzepte motiviert haben sollen. Teilweise wird der Wandel so umfassend gezeichnet, dass in zeitdiagnostisch orientierten Studien davon ausgegangen wird, dass sich Gegenwartsgesellschaften in einem radikalen Epochenbruch befinden der gewichtige Konsequenzen für alle Lebens- und Handlungsbereiche der sozialen Akteure bereit hält (Wagner 2008). Statt in einer kapitalistischen Industriegesellschaft, so die Ausgangsthese, leben wir mittlerweile in einer ,,Wissensgesellschaft“, in der die individuelle Ressource theoretischen, wissenschaftlichen oder technischen Wissens zunehmend die Grundlage der ökonomischen und lebensweltlichen Vergesellschaftungsprozesse liefert. Diese stark in der Modernisierungstheorie verankerte Diagnose der ,,Wissensgesellschaft“ legt gewissermaßen alle sozialen Akteure darauf fest, sich auf die Aneignung individueller Bildungsressourcen, mit den Worten des französischen Soziologen Pierre Bourdieu: auf kulturelles Kapital zu verlegen, um biografische Chancen auf immer dynamischeren Arbeitsmärkten zu maximieren und Kompetenzen auszubilden die als Gegengewicht gegen eine verstärkte strukturelle biografische Unsicherheit fungieren (Kraemer/Bittlingmayer 2001). John Erpenbeck und Volker Heise (1999) brachten die unterstellte Entwicklung auf die Formel, dass die Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft und die Entwicklung zu einer individualisierten Gesellschaft zwei Seiten derselben Medaille sind.
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Document Type: Research Article

Publication date: January 1, 2009

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  • Das Jahrbuch für Pädagogik macht es sich seit 1992 zur Aufgabe, Diskurs- und Realentwicklungen in Pädagogik und Bildungspolitik kritisch zu begleiten und aus bildungs- und gesellschaftstheoretisch interessierter Perspektive zu beleuchten. Als bildungstheoretische Leitidee gilt ein Konzept von Mündigkeit, welches historisch und theoretisch im internen Zusammenhang von Aufklärung, Demokratie und Bildung gründet. Pädagogik wird als ein spezifisches theoretisches und praktisches Handlungsfeld von Gesellschaft begriffen. Nach dem Verständnis des Jahrbuchs können daher Fragen von Bildung und Erziehung nicht allein aus der disziplinären Perspektive der Erziehungswissenschaft bearbeitet werden, sondern bedürfen interdisziplinärer gesellschafts- und humanwissenschaftlicher Zugänge. Der interdisziplinäre Horizont und die Verknüpfung von bildungs- und gesellschaftstheoretischen Sichtweisen schlagen sich sowohl in der Wahl der Jahresthemen wie der Autorinnen und Autoren nieder. Einen markanten Zug im Profil des Jahrbuchs bildet die zentrale Bedeutung des Jahresthemas, auf welches sich nahezu alle Beiträge beziehen, so dass jeder Band als jährliches Periodikum zugleich ein Aufsatzband zu einer thematischen Fragestellung ist.
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