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Open Access Erziehungswissenschaft, Gegenaufklärung und Entdemokratisierung – Von der wissenschaftlichen Phantasie zur Herrschaft der beschränkten Empirie

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Von dem ursprünglichen Impuls aufklärerischer, auch der positiven Wissenschaft, die Menschen über die Vertiefung und die Verbreitung wissenschaftlicher Einsichten aus Abhängigkeiten und Bevormundung befreien zu wollen, hat sich der größte Teil der wissenschaftlichen Disziplinen losgesagt. Die Hochschulen, die dieses Projekt einer kollektiven Mündigkeit in einer sich aufklärenden Gesellschaft mittragen sollten, haben sich mittlerweile in Institutionen transformieren lassen, in denen der immer seltener artikulierte Anspruch auf Demokratie in Forschung, Lehre und Verwaltung als antiquarisches Relikt erscheint. Die Formel von der Autonomie der Hochschule verklausuliert ideologisch deren zunehmende Abhängigkeit von den Bedürfnissen der Märkte und der Produktion. War Wissenschaft zu keinem geschichtlichen Zeitpunkt frei von dem Zugriff ökonomischer und politischer Mächte, so besteht die neue Qualität der Indienstnahme von Wissenschaft nun in der Ermöglichung eines direkteren Zugriffs auf ihre Potentiale, die als größere Freiheit ausgewiesen wird. Die Wissenschaft wird in der Tat ,,freier“: Sie ,,emanzipiert“ sich von staatlich–bürokratischen Strukturen, um sich den wechselnden Erfordernissen ökonomischer Verwertungsprozesse ,,frei“ und flexibel anpassen zu können. Die Einrichtung von demokratisch nicht legitimierten Hochschulräten, die Stärkung des Einflussbereichs privater Konzerne, die Installierung dubioser Forschungsrankings (CHE) fallen in diesen Kontext einer entdemokratisierenden Autonomisierung ebenso wie die Bemühungen um die Schaffung so genannter ,,Eliteuniversitäten“ und ,,wissenschaftlicher Exzellenz“. Der Refeudalisierung der Beziehungsverhältnisse an den Hochschulen läuft eine Modernisierung der Forschung parallel, die jener prima vista zu widersprechen scheint.
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Document Type: Research Article

Publication date: January 1, 2009

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  • Das Jahrbuch für Pädagogik macht es sich seit 1992 zur Aufgabe, Diskurs- und Realentwicklungen in Pädagogik und Bildungspolitik kritisch zu begleiten und aus bildungs- und gesellschaftstheoretisch interessierter Perspektive zu beleuchten. Als bildungstheoretische Leitidee gilt ein Konzept von Mündigkeit, welches historisch und theoretisch im internen Zusammenhang von Aufklärung, Demokratie und Bildung gründet. Pädagogik wird als ein spezifisches theoretisches und praktisches Handlungsfeld von Gesellschaft begriffen. Nach dem Verständnis des Jahrbuchs können daher Fragen von Bildung und Erziehung nicht allein aus der disziplinären Perspektive der Erziehungswissenschaft bearbeitet werden, sondern bedürfen interdisziplinärer gesellschafts- und humanwissenschaftlicher Zugänge. Der interdisziplinäre Horizont und die Verknüpfung von bildungs- und gesellschaftstheoretischen Sichtweisen schlagen sich sowohl in der Wahl der Jahresthemen wie der Autorinnen und Autoren nieder. Einen markanten Zug im Profil des Jahrbuchs bildet die zentrale Bedeutung des Jahresthemas, auf welches sich nahezu alle Beiträge beziehen, so dass jeder Band als jährliches Periodikum zugleich ein Aufsatzband zu einer thematischen Fragestellung ist.
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