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Open Access Transformationsprozesse nach Vereinigungen. Ein historischer Vergleich

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Wie jeder historische Prozess war der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3.10.1990 ein ganz individueller, ein singulärer Prozess. Wie bei fast jedem anderen historischen Ereignis auch gab es ähnliche, verwandte Prozesse zu anderer Zeit und anderenorts bereits vorher. Selbst wenn man sich an das streng juristische Kriterium ,,Beitritt nach Artikel 23 des Grundgesetzes“ halten würde, gäbe es noch einen vergleichbaren Fall: Den Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik am 1.1.1957, damals auch als ,,kleine Wiedervereinigung“ bezeichnet (Roesler 1997, vgl. auch Heinen 1996). Sobald man über die Variante ,,Beitritt“ hinaus geht und Vereinigungen allgemeiner als Fusion von Staaten bzw. der Region eines anderen Staates mit dem Nachbarstaat versteht, befindet man sich auf einem Verallgemeinerungsniveau, das es erlaubt, Vereinigungsfälle auch in größerem Umfang miteinander zu vergleichen. Dann stellt fest man fest: Die Vereinigung von Regionen bzw. Staaten nahm in der historischen Entwicklung unterschiedliche Formen an, die jedoch nur auf den ersten Blick untereinander unvergleichbar sind. Dringt man tiefer in die Strukturen und Verfahren der verschiedenen Einigungsprozesse, dann sind grundsätzlich mindestens drei Modelle historisch verifizierbar: Der Zusammenschluss, der partielle Zusammenschluss und der Anschluss. Als Zusammenschluss können Vereinigungen bezeichnet werden, bei denen eine Verschmelzung der Strukturen beider Länder herbeigeführt wird, so dass im vereinigten Gebiet substantiell neue, gewissermaßen dritte staatliche und gesellschaftliche Strukturen entstehen. Historisch verifizierbar ist auch der partielle Zusammenschluss, bei dem die Verschmelzung nicht alle Bereiche der staatlichen Existenz bzw. des gesellschaftlichen Lebens der Partnerländer erfasst, sondern sich das von nun an Gemeinsame auf bestimmte Gebiete der Staats- und Wirtschaftstätigkeit beschränkt, während andere wesentliche Bereiche der Staatstätigkeit, z.B. auch die Wirtschaftsordnung, von vornherein separat bleiben - und das nicht nur für eine Übergangszeit. Beim Anschluss schließlich handelt es sich um eine Vereinigung (bzw. Wiedervereinigung), durch die eine Region oder ein Staat de facto Bestandteil eines anderen wird. Die Bevölkerung des Anschlussgebietes wird den Bewohnern des Hauptlandes rechtlich gleichgestellt. Nach dem ,,Tag der Einheit“ kommt es zu einer fast vollständigen Angleichung der politischen, administrativen, überwiegend auch der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen des Anschlussgebietes an die im Hauptland bereits existierenden. Für die Bewohner des Hauptlandes ändert sich durch den Anschluss vergleichsweise wenig.
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Document Type: Research Article

Publication date: January 1, 2002

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  • Das Jahrbuch für Pädagogik macht es sich seit 1992 zur Aufgabe, Diskurs- und Realentwicklungen in Pädagogik und Bildungspolitik kritisch zu begleiten und aus bildungs- und gesellschaftstheoretisch interessierter Perspektive zu beleuchten. Als bildungstheoretische Leitidee gilt ein Konzept von Mündigkeit, welches historisch und theoretisch im internen Zusammenhang von Aufklärung, Demokratie und Bildung gründet. Pädagogik wird als ein spezifisches theoretisches und praktisches Handlungsfeld von Gesellschaft begriffen. Nach dem Verständnis des Jahrbuchs können daher Fragen von Bildung und Erziehung nicht allein aus der disziplinären Perspektive der Erziehungswissenschaft bearbeitet werden, sondern bedürfen interdisziplinärer gesellschafts- und humanwissenschaftlicher Zugänge. Der interdisziplinäre Horizont und die Verknüpfung von bildungs- und gesellschaftstheoretischen Sichtweisen schlagen sich sowohl in der Wahl der Jahresthemen wie der Autorinnen und Autoren nieder. Einen markanten Zug im Profil des Jahrbuchs bildet die zentrale Bedeutung des Jahresthemas, auf welches sich nahezu alle Beiträge beziehen, so dass jeder Band als jährliches Periodikum zugleich ein Aufsatzband zu einer thematischen Fragestellung ist.
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