Die Civitas Dei in Gryphius' Trauerspielen
Author: Raffy J-L.
Source: Daphnis - Zeitschrift für Mittlere Deutsche Literatur, Volume 28, Numbers 3-4, 1999 , pp. 729-760(32)
Publisher: Rodopi
Abstract:
In diesem Artikel wird versucht, die den Dramen Gryphius' zugrundeliegende Staatstheorie zu analysieren und deren Quellen zu identifizieren. Ein Vergleich mit Luthers politisch-theologischen Theorien zeigt, wie Gryphius' Grundauffassung der Politik zwar deren unverkennbaren Stempel trägt, sich doch keineswegs auf sie reduzieren läßt (vgl. u.a. die Zwei-Regimenten-Lehre). Über alle historischen (Schlesiens Unterdrückung unter der Herrschaft der Habsburger) und ästhetischen (die gattungbedingten Gesetze des Trauerspiels) Gründe hinaus weist Gryhphius' noch radikalerer politischer Pessimismus viel eher auf Augustinus' grundlegende Antinomie zwischen civitas dei und civitas terrena hin. Diese Sehnsucht des Dramaturgen nach strikter kompromißloser Trennung zwischen Religion und Politik wird hier als pathetischer Versuch interpretiert, sich durch die Rückkehr zur Hauptquelle des christlich-politischen Denkens dem Durchbruch eines sich säkurarisierenden Zeitalters zu widersetzen, das für Gryphius nicht so sehr allein durch die Unterdrückung Schlesiens, sondern durch die Instrumentalisierung der Religion im Dienste bloßer machtpolitischer Kämpfe gekennzeichnet ist.Document Type: Research article
Publication date: 1999-12-01
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