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Das Problem der weltweiten religiösen Pluralität aus der Sicht des Weltfriedens

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Abstract:

Religion wird in der Philosophie heute wieder als ein – wenn auch noch nicht gerade das – Kernphänomen des Menschseins entdeckt. Die Publikationen, auch aus der Feder bekannter Autoren über Religion nehmen deutlich zu. Die Klassiker der Philosophie von Platon bis Hegel hatten schon festgestellt, daß sie den Menschen gegenüber anderen Lebewesen auszeichnet. Die Vernunft ist schon nach Aristoteles das Kennzeichen des homo sapiens, aber damit ist freilich nicht das Denkvermögen im bloßen Sinn der funktionalen Intelligenz gemeint, denn diese unterscheidet, wie die moderne Zoologie sagt, den Menschen weniger prinzipiell als graduell von den Tieren. Daher ist es eher die Religion, welche etwa in der prähistorischen Anthropologie den frühen Menschen, etwa durch spezielle Begräbnisse und besonders Grabbeigaben, als solchen identifiziert. Ist dies nicht mehr gültig, da heute nach statistischen Erhebungen weltweit “nur” etwa 86% der Menschen – in manchen Völkern mehr, in anderen weniger – einer religiösen Gemeinschaft angehören? Immerhin besteht seit der Aufklärung der Verdacht, daß Vernunft und Religion nicht gut vereinbar seien, ganz zum Unterschied von Johann Gottfried Herder, der den Begriff Vernunft – auch vom Sprachlichen her – als die Fähigkeit des Vernehmens der göttlichen Weisheit verstand. Kaum zu bezweifeln ist, daß die meisten Menschen, die bisher auf dieser Welt lebten, einen Bezug zu irgendeiner Form von Religion hatten. Abgesehen vom gegenwärtigen Phänomen des Säkularismus, welches ein welthistorisch kurzes, geographisch beschränktes und – im Gegensatz zu dem von Zeitgenossen vertretenen Anspruch einer angeblichen Endgültigkeit – bestimmt unzureichend aufgearbeitetes Phänomen darstellt, ist über alle Zeiträume der Geschichte hinweg kein Volk bekannt, das nicht auch irgendeine Form von Religion entwickelt und dieser in der Regel auch einen hohen Stellenwert zuerkannt hätte. In den Industrieländern kommt es zwar zur Abnahme der kirchlichen Bindung, aber nicht generell zum Verschwinden jeglicher Religiosität, und diese Entwicklung trifft auch nur für die meisten Länder Europas, aber nicht für Amerika oder andere Kontinente zu. Der Säkularismus stößt sich zwar am vermuteten Gegensatz zwischen traditioneller Religion und Vernunft, da Religion pragmatisch unter der Vernunft steht, wenngleich sie existentiell als deren Fundament erfahren wird. Aber an die Stelle der traditionellen Religion tritt heute häufig eine – bisweilen mit Wissenschaft und Logik schwer vereinbare – esoterische Weltanschauung. Religion ist, zum Unterschied von seinerzeitigen marxistischen Erwartungen – offenbar nicht zum Absterben verurteilt und auch sicher nicht definitiv abschaffbar. Aber die Religion durchlebt Krisen. Das bedeutet, die Menschen durchleben Krisen, die sie von der Perspektive ihres positiven oder negativen Verhältnisses zur Religion her interpretieren. Eine besondere Herausforderung wird an die Religion speziell in der globalisierten Welt gestellt, wo eine Diskrepanz der einander widersprechenden Glaubenssätze der unterschiedlichen Religionen auftritt. Das heißt, wenn die Annahmen der Religion A richtig sein sollten, so schließt dies formal oft die Richtigkeit der Annahmen von Religion B aus. Dies ist einerseits eine Herausforderung an den Verstand und die Religiosität, andererseits auch eine Herausforderung an die Gruppenidentität der sich zu Religionen bekennenden Menschen. Von den drei genannten Aspekten ist der letztere am ehesten verantwortlich für kollektive Konflikte. Religionskonflikte sind primär Konflikte zwischen Personengruppen, die jeweils anderen sozialen Großgruppen und Kollektiven angehören, wobei sich diese sozialen Gebilde hinsichtlich ihrer religiösen Vorstellungen definieren und unterscheiden. Die soziologische Betrachtung wird bei Konflikten, wie sie Samuel Huntington beschreibt, einen großen Teil bereits erklären können. Der österreichische Soziologe der Zwischenkriegszeit (in der Nachkriegszeit in den USA) Ernst Karl Winter erkannte freilich, daß auch unterschiedliche Denkstile für Gruppenkonflikte verantwortlich sind. Das heißt, es spielt auch die intellektuelle Herausforderung durch die Diskrepanz zwischen stark divergierenden religiösen oder sonstigen Sinnantworten eine Rolle bei der Gefahr von Konflikten.

Document Type: Research Article

Publication date: January 1, 2007

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  • Values and Norms in the Age of Globalization
    The authors of this book, scholars from Germany, Austria, the United States, Kirghizia and Poland, seek an answer to the challenges posed to social sciences by the globalization epoch. The challenges apply to such problems as the establishment of rights and rules and institutions governing the existence of supra- and international communities, the development of a common system of ethical values, moral standards and norms (or even the creation of a system of entirely new values, standards and norms) supporting the unification process, as well as the legitimacy and validity of transferring the values and standards and the models of economy and politics characteristic of European culture to other cultures and civilizations. This book raises the questions that are particularly significant to the present-day political practice in its European and global dimensions: the questions of place, role and dimension, as well as topicality or transformations in the post-modern order of the world, of such moral values, standards and norms present in politics as human rights, freedom, justice, responsibility, solidarity, tolerance, forgiveness, peace, security, education, modernization or democracy and law.
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