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Sich-Verantworten in der globalisierten high-tech-Zivilisation. Ein Diskurs zwischen Hans Jonas, Karl-Otto Apel und der sokratischen Dialogpragmatik

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Abstract:

Als im Jahre 1972 die Industriegesellschaften vom Club of Rome die erste drastische Warnung vor den ökologischen Langzeitgefahren des quantitativen ökonomischen Wachstums und den kumulativen Folgeschäden der (damals teils kapitalistischen, teils staatssozialistischen) technologischen Zivilisation erhielten, fanden sich die Philosophen auf die neuen Verantwortungsprobleme sehr schlecht vorbereitet. An der New School for Social Research in New York und an der Universität des Saarlandes waren jedoch zwei, durchaus komplementäre, Denker bereits dabei, eine Ethik der solidarischen Menschheitsverantwortung zu entwerfen: Karl-Otto Apel und Hans Jonas, ein rationaler Postkantianer und ein metaphysischer Postaristoteliker (mit biblisch jüdischer, z.T. kantischer Moralmotivation).

Nach einer sowohl von Jonas als auch von Apel inspirierten Skizze der hochtechnologischen Problemsituation erörtert dieser Essay folgende, noch zu differenzierende zukunftsethische Fragen:

– Wie läßt sich moralische Verantwortung in der technologischen Gefahrenzivilisation begreifen – als neuartige Für-Sorge für echtes menschliches Leben und dessen Umwelt oder als Sich- Verantworten vor der regulativen Instanz einer idealen Kommunikationsgemeinschaft?

– Läßt sich überhaupt eine solche moralische Verantwortung als einsehbar verbindlich erweisen?

– Können wir Embryonen den Anspruch der Menschenwürde verweigern?

Die Beobachtung, daß “die ganz unbeabsichtigten, aber unausweichlichen Nebenwirkungen” der technologischen industriellen Zivilisation, etwa “die Verschmutzung der Atmosphäre, der Gewässer, des Bodens, die Ausraubung der Biosphäre, der ganzen Lebenswelt durch Überbeanspruchung, durch Ausrottung von Arten” unermeßlich sind, führte Jonas zu der Erkenntnis, daß die Wirkungsmacht des Menschen “nach Maßstäben unserer irdischen Umwelt … enorm gestiegen … und ein Zustand erreicht worden ist, in dem beinahe alles möglich scheint”. Daraus erwachse die Einsicht, daß proportional zu dieser Wirkungsmacht auch die Verantwortung des Menschen größer werde, daß es nunmehr eine Verantwortung f¨r die Umwelt, für die Zukunft und für die Menschenwürde gebe. Aus dieser Einsicht entstand Jonas' bescheiden betitelter, aber groß angelegter “Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation”, das 1978 erschienene Prinzip Verantwortung.

Hans Jonas' Denkweg und Karl-Otto Apels kommunikationsbezogene Transformation der Philosophie, 1973 in zwei Bänden vorgelegt, zumal seine transzendentalpragmatische Rekonstruktion der normativ ethischen Präsuppositionen des Denkens und ihr Resultat, nämlich die Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft in der Metapraxis des Argumentierens, sind in je eigener Weise von einer faszinierenden Geistesgegenwart. Infolgedessen hat die Arbeit an meinem Lehrstuhl und am Berliner Hans Jonas-Zentrum zum Teil der Auseinandersetzung mit dem intuitionsbezogenen, meta-physischen Denken von Jonas einerseits und der kommunikationsbezogenen Transzendentalphilosophie Apels andererseits gegolten. Die sokratische Diskurspragmatik und dialogbezogene Verantwortungsethik kann Grundgedanken jener beiden complementären Ansätze präzisieren und weiterentwickeln. – Soviel zum Hintergrund, vor dem ich hier die Prinzipienfrage erörtere: “Was heißt und wohin orientiert Verantwortung als Moralprinzip?” So fragend, diskutieren wir auf der Begründungsebene, die Apel den Teil A der Diskursethik nennt.

Document Type: Research Article

Publication date: January 1, 2007

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