Das Maklerwesen auf den Bozner Messen im 18. Jahrhundert

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Brokers were crucial to all pre-industrial economies and societies, especially within the pre-modern system of markets, trade fairs and stock exchanges, where they arranged cashless payments and goods transactions, as well as the exchange of information. Moreover, as an economic institution they acted as an adjustment factor for the financial and goods market. This holds true especially for the Bolzano Fairs, which lay at the crossroads between the economic areas of Upper Italy and Upper Germany/Austria. The available sources provide a vivid and detailed account of the system of brokers, which will be studied from the aspect of training: what made people want to become a broker? Were there ways in which offences and misdemeanours could be punished by a fine? Which consequences did court cases have on the performance of brokers at the Bolzano fairs and trade and exchange fairs in general?

German
Das Makler- oder Sensalenwesen auf den Bozner Messen wurde – von einigen früheren Reglements abgesehen – grundlegend erstmals durch das Claudianische Privileg von 1633/35 einem immer noch eher lockeren Regelwerk unterworfen, das dann vor allem im 18. Jahrhundert immer straffer und strenger wurde. Die Bozner Makler übten eine halbamtliche Funktion als Vermittler in Waren- und Wechselgeschäften aus. Es gab jedoch keinen Maklerzwang, was erheblich dazu beitrug, dass die offiziell bestellten Makler unliebsame und zugleich illegale Konkurrenz, die ,Pfuschmakler', von den Messen zu verdrängen suchten, was im Übrigen kein spezifisches Bozner Phänomen ist, sondern geradezu selbstverständlich auch für andere europäische Messeplätze – soweit quellenmäßig fassbar – festgestellt werden kann.

Der Maklerberuf stellte in Bozen wie auch an anderen Messeplätzen eine Möglichkeit des sozialen Aufstiegs vor allem für ärmere Kaufleute dar, die sich durch die Maklergebühr ihren Lebensunterhalt sicherten, während sie für das ,normale' Handelsgeschäft (noch) nicht über ein hinreichendes Kapital verfügten. Keine der renommierten und reichen Bozner Handelsfamilien hatte sich im 18. Jahrhundert jemals um eine Sensalenstelle beworben, da sie auf eine derartige Position nicht angewiesen waren, ja sich sogar durch das Verbot des Handels auf eigene Rechnung selbst geschädigt hätten. Der Aufbau eines vorrangig Roveretaner Maklernetzwerks, in welches allenfalls noch einige andere Trentiner und Veroneser Händler integriert waren, belegt zum einen die wachsende Bedeutung der Roveretaner Produkte als Handelsartikel auf den Bozner Messen für den Verkauf in den nordalpinen Raum und zum anderen die Tatsache, dass die Roveretaner Produzenten mehr als die Kaufleute aus den anderen Regionen auf die Vermittlung durch Makler bei der Abwicklung ihres Handels und Zahlungsverkehrs angewiesen waren. Denn nicht umsonst bezahlte man eine Maklergebühr, die immerhin einen Kostenfaktor darstellte, zumal es in Bozen, wie gesagt, ja keinen Maklerzwang gab.

Ein erheblicher ,Standortvorteil' für die Bozner Messen und ihre Makler war und blieb bis in das frühe 19. Jahrhundert hinein der Merkantilmagistrat, der, wo immer es erforderlich war, die Interessen der von ihm bestellten Makler durchsetzte. Die hohe Effizienz des Merkantilmagistrats und seiner Verhandlungen bildeten eine gewichtige Gewähr für die institutionelle und rechtliche Sicherheit des Messestandorts Bozen bis in das 19. Jahrhundert hinein und damit einen Faktor, der ökonomische Einbußen, die im Handel spätestens seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert erkennbar wurden, ausglich. Dies zeigt sowohl das Vorgehen gegen die jüdischen ,Pfuschmakler' aus Verona 1744 als auch gegen Agostino Tacchi, dessen Wechselbetrügereien das Renommee der Bozner Maklerschaft wie der Messen insgesamt schädigten. Der Vergleich mit anderen Messeplätzen – so etwa mit Leipzig – lässt erkennen, welch zentrale Bedeutung das rigide Durchgreifen des Merkantilmagistrats besaß: Während in Leipzig dem ,Pfuschmaklertum' bis in das 19. Jahrhundert nicht Einhalt geboten werden konnte, was ein erhebliches Ärgernis auf den Messen darstellte, war dieses Problem in Bozen im Wesentlichen beseitigt worden. Das vergleichsweise langwierige Ausschlussverfahren gegen Tacchi aus der Maklerschaft bedeutete langfristig eine erhebliche Schwächung der Position der Sensalen auf den Bozner Messen, deren Zahl im beginnenden 19. Jahrhundert sich auch gegenüber der des ausgehenden 18. Jahrhunderts halbierte: Sei es wegen rückläufiger Geschäfte auf den Messen insgesamt, sei es wegen des Vertrauensverlustes in die Unparteilichkeit der Vermittler – die Makler verloren auf den Bozner Messen im 19. Jahrhundert erheblich an Bedeutung, worüber auch die neue Sensalenordnung von 1817 nicht hinwegtäuschen konnte. Die Institution der Makler auf den Messen erreichte nach der Affäre Tacchi nie wieder die Relevanz, die sie im 17. und 18. Jahrhundert besessen hatte.

Language: German

Document Type: Research Article

Publication date: July 1, 2009

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