Gegendrehung Und Winkelsinn in Der Orientierung Von Lithobius Forficatus L
Author: Schäfer, M. Walter
Source: Behaviour, Volume 55, Numbers 1-2, 1975 , pp. 42-72(31)
Publisher: BRILL
Abstract:
Der Chilopode Lithobius forficatus L. (Myriapoda) beantwortete Ablenkungen von seiner Laufrichtung durch gewinkelte Korridore mit Gegendrehungen an den Korridorausgängen, Ablenkungswinkel verschiedener Größe wurden unterschieden. Der Mechanismus des Gegendrehungsverhaltens wurde bezüglich äußerer Bezugspunkte (Laufgang) und innerer Bezugspunkte (körperbezogene Orientierung) analysiert. Rotlicht oder Blendung veränderten das Gegendrehungsverhalen nicht. Zur Durchführung der Gegendrehung wurde am Korridorausgang kein Wandkontakt benötigt. Thigmotaktische Reaktionen auf Berührungsreize einzelner Wände wurden gesondert untersucht. Es konnte gezeigt werden, daß einseitige Wände auch ohne einleitende Ablenkungen an ihren Enden Drehungen in Richtung des bisherigen Kontaktes induzieren können. Durch ungleichzeitigen Wandkontakt bei Betreten des Korridors wurde die künftige Richtungswahl über die Determination einer "Richtungsantenne" beeinflußt. Die Gesamtheit der thigmotaktischen Einflüsse erwies sich als vom Gegendrehungsverhalten unabhängiger, additiv oder subtraktiv einwirkender Faktor. Bei Verwendung erhabener Laufstege über Wasser (Ablenkungen ohne Wände!) blieb die Fähigkeit der Winkelunterscheidung erhalten. Eine entscheidende Beteiligung der Extremitäten (Antennen und Beine) an der Messung der Ablenkungsgröße konnte nicht nachgewiesen werden. Tiere, die ohne Eigenbewegungen passiv durch verschiedene Ablenkungen geschoben wurden, erbrachten ebenfalls differenzierte Gegendrehungen. Dieser Befund wurde als Hinweis auf den exafferenten Charakter der benötigten Information gewertet. Durch partielle Abbiegungen des Körpers während der Ablenkung bzw. Gegendrehung konnte eine genaue Abhängigkeit der Reaktionsgröße von der Segmentzahl nachgewiesen werden: Die Zahl der Segmente, die eine Ablenkung erfahren oder eine Gegendrehung durchgeführt hatten, bestimmte den jeweiligen Betrag der Gegendrehungsreaktionen. Tiere mit versteiften Körperabschnitten zeigten die Fähigkeit zur weitgehenden Kompensation des Informationsverlustes. Halbierte Tiere erbrachten signifikant verringerte, etwa halbe Gegendrehungsbeträge und erwiesen sich weiterhin zur Winkelunterscheidung fähig. Der Prozeß der Informationsaufnahme ist zusammenfassend als Summation segmentaler Exafferenzen zu beschreiben, die stufenweise zur Aufladung eines zentralnervösen Speichers führen. Als Sinnesorgane werden Propriorezeptoren gefordert, die die Kontrolle der relativen Segmentstellungen sowie der Effektorzustände übernehmen und die bei Passieren einer Ablenkung auftretenden körperlichen Verlagerungen registrieren. Die gesamte Orientierungsleistung bedarf keiner äußeren Bezugspunkte.Document Type: Research article
DOI: http://dx.doi.org/10.1163/156853975X00407
Affiliations: 1: Fachbereich Biologie (Zoologie) der Universität, Frankfurt a.M., B.R.D.
Publication date: 1975-01-01
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- In this Subject: Biology/Life Sciences , Zoology , Ecology
- By this author: Schäfer, M. Walter

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